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Hintergrund des Projektes CAROLUS REX REVIVAT

Einleitung

Als Karl XII. in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1714 an das Triebseer Tor der schwedischen Festungsstadt Stralsund klopfte, hatte er innerhalb von 14 Tagen 2.400 Kilometer auf dem Pferderücken bzw. im Kutschwagen zurückgelegt. Das Ziel des Vereins Carolus Rex Revivat ist nun, im September 2000 diese historische reiterische Heldentat noch einmal aufleben zu lassen.

Der Verein wurde am 5. Februar 1998 gegründet, den Vorsitz hat der frühere Oberbefehlshaber Generalleutnant Åke Sagrén. Als Träger des Vereins fungieren das Armeemuseum in Stockholm und das Militärhistorische Museum in Budapest sowie der Karolinska förbundet. Der Verein sieht seine Aufgabe darin, in möglichst authentischer Form nachzuweisen, dass auch die Pferde und Reiter unserer Tage in der Lage sind, den legendären Königsritt von Pitesti in Mittelrumänien durch Ungarn, Österreich und Deutschland bis nach Stralsund, der früheren Hauptstadt des schwedischen Pommern, in derselben Zeit wie der damalige König durchzuführen. Neben dem reitsportlichen Zweck will man diese kulturhistorische Veranstaltung auch zur Förderung der Kontakte zwischen den betreffenden Ländern nutzen. Die Reiter stellen Karl XII. und seine Begleiter dar, dazu sind ca. 30 Reit- und Zugpferde sowie zwei Postkutschen erforderlich. Der Start erfolgt am 8. September in Pitesti, der Einzug in Stralsund am 22. September. Danach werden der König und sein Gefolge mit dem Postsegelschiff Hiorten das Land verlassen und in Skåre bei Trelleborg an Land gehen, was vorläufig für den 25. September geplant ist.

Besonderes Gewicht wurde hierbei eben auf die möglichst authentische Durchführung gelegt. Mit Unterstützung des Armeemuseums wurden die historischen Uniformen angefertigt, moderne Nachbildungen der Postkutschen wurden gebaut, und die damalige Route wird eingehalten. Genau wie die historischen Originale dürfen die drei teilnehmenden Reiter während der Reise nur vier Nächte im Bett schlafen. Das Postsegelschiff Hiorten ist eine Nachbildung eines um 1680 benutzten Schiffes, gebaut und bemannt vom Marinemuseum in Karlskrona.

Eigentlich sollte der Ritt schon 1999 stattfinden, aber auch verschiedenen praktischen und finanzellen Gründen wurde er um ein Jahr verschoben.

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Finanzierung

Die Durchführung dieses Projektes baut vollständig auf ideellem Einsatz auf, verursacht aber nichtsdestotrotz Kosten. Von verschiedenen Seiten wurde großes Interesse an diesem kulturhistorischen Ereignis bekundet. Es bieten sich gute Möglichkeiten, diesen Ritt auch zur Promotion der schwedischen Wirtschaft, Touristik usw. zu nutzen, daher sind Sponsoren herzlich willkommen. Interessenten erhalten eine Einladung und können gegen Entrichtung einer Gebühr in zeitgemäßer Ausrüstung an einer oder mehreren Etappen teilnehmen. Die schwedischen Botschaften der betreffenden Länder haben diesem Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt, ebenso die Reitsportorganisationen entlang der Route sowie die Streitkräfte Rumäniens, Ungarns, Österreichs und Deutschlands. 

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Der historische Hintergrund

Die schwedische Niederlage in der Schlacht von Poltava am 28. Juni 1709 und die Kapitulation am Dnjepr drei Tage später stellten eine entscheidende Wende in der Geschichte Schwedens und Europas dar. Mit seinen nur noch etwa 1.000 Mannen erreichte der König Ende Juli Bender im heutigen Moldavien. Hier blieben sie drei Jahre lang. Der König wollte den türkischen Sultan zum Angriff auf den Zaren bewegen, der das Osmanische Reich zunehmend bedrohte. Doch Jahr um Jahr verging, ohne dass etwas Entscheidendes passierte. Im November 1712 erklärte die Türkei Russland zum dritten Mal den Krieg, aber der Sultan forderte auch beträchtliche militärische Unterstützung von schwedischer Seite und wollte deshalb, dass Karl XII. aus Bender abzog und die schwedischen Streitkräfte mobilisierte. Da kam die Nachricht, dass Magnus Stenbock mit der neuen Armee Karls XII. Waffenstillstand mit dem Feind in Pommern geschlossen hatte. Der Sultan gewann den Eindruck, die Schweden ließen die Türkei die ganze Bürde des Krieges tragen, und wurde sehr verbittert. Er gab den Befehl, den König gewaltsam aus dem schwedischen Lager zu schaffen, und am Sonntag, dem 1. Februar, brach aus, was als Chaos von Bender in die Geschichte einging. Der ungleiche Kampf gegen eine siebenfache Übermacht endete damit, dass der König und seine Leute gefangen genommen wurden.

Die Gefangenschaft nahm jedoch ein schnelles Ende, als die Nachricht von Pommern eintraf, dass Stenbock den gemeinsamen Feind bei Gadebusch geschlagen hatte. Der Sultan änderte sofort seine Meinung, und der König wurde als hoch geehrter Gast zur Stadt Demotika im heutigen nordöstlichen Griechenland gebracht. Seine Mannen wurden freigelassen und durften ihm folgen, während der türkische Befehlshaber, der den Angriff auf das Königshaus in Bender geführt hatte, bestraft wurde.

Nach dem Friedensschluss zwischen der Türkei und Russland sah der König ein, dass seine Bemühungen vergebens gewesen waren. Nun galt es, sich schnellstmöglich zurück nach Schweden abzusetzen, um die Grenzen des schwedischen Reiches zu verteidigen, nachdem Stenbock 1713 in der holsteinischen Festung Tönningen zur Kapitulation gezwungen worden war. Ende September 1714 machte sich Karl XII. mit seinen 1.500 Gefolgsleuten auf den Heimweg nach Schweden. Nach einem Monat erst erreichten sie die Stadt Pitesti in der Walachei, heute Rumänien. Karl XII. beschloss, seine Mannen zu verlassen und auf schnellstem Wege nach Schweden zurückzukehren. Um seine Pläne geheim zu halten, begab er sich mit seinen engsten Vertrauten auf einen Bauernhof und vergnügte sich zwei Tage lang mit Ritterspielen, so trainierte er für den langen Ritt zurück nach Schweden.

Spätabends am 27. Oktober brach er mit zwei Gefolgsleuten, Generaladjudant Gustaf Fredrik von Rosen und Oberstleutnant Otto Fredrik von Düring, die beide noch ein weiteres Pferd mitführten, auf. Der König nannte sich Peter Frisk, von Rosen Johann Palm und von Düring Erik Ungern. Jeder der drei gab sich als Hauptmann aus, sie trugen jedoch nicht die normale Uniform ihres Heeres.

Sie ritten die ganze Nacht hindurch über die Ebenen der Walachei bis zu den Transsylvanischen Alpen und weiter nach Siebenbürgen. Sie ritten schnell und versuchten, Abkürzungen zu finden, mit dem Ergebnis, dass sie vom Weg abkamen. In der Frühe sahen sie ein Feuer im Wald und fanden einen schlafenden Schweinehirten. Dieser wies ihnen den rechten Weg, und am Abend erreichten sie ein Dorf, in dem sie ein Nachtquartier und neue Pferde erhielten. Von Rosen wurde hier zurückgelassen, vermutlich um den Kontakt mit dem Gefolge aufrechtzuerhalten. Für die anderen ging der Ritt weiter über das ungarische Tiefland. Nächstens fuhren sie mit der normalen Postkutsche, damit von Düring sich erholen konnte. Er war nämlich nach einer besonders anstrengenden Strecke wie tot vom Pferd gefallen.

In Wien stiegen sie erneut auf die Pferde um – mitterweile schrieb man den 3. November – und folgten der Donau nach Deutschland, mieden jedoch größere Städte. In Kassel sah sich der König gezwungen, gegen seine Gewohnheit einen Becher Wein zu leeren, um seine Identität nicht zu verraten.

In der Nacht vom 10. auf den 11. November erreichten der König und sein Vertrauter Stralsund. Vor fünfzehn Tagen hatten sie Pitesti verlassen und innerhalb von acht Tagen die Strecke zwischen Wien und Stralsund zurückgelegt. Bei der Ankunft wollte der König seine Identität nicht preisgeben, und die Wache erkannte seine Majestät nicht, weil Karl XII. einen braunen Mantel trug, eine schwarz Perücke, einen großen Hut und einen Bart. Ganze zwei Stunden mussten die beiden völlig ermatteten Männer vor dem Tor ausharren, bis Festungskommandant General Carl Gustaf Dücker erschien. Dücker führte den König in seine Badestube, wo der Majestät sofort einschlief, den Kopf auf dem Tisch.

Seine Stiefel mussten mit einem Messer von den Beinen losgeschnitten werden, sie hatten eine alte Schusswunde im Bein aufgescheuert, und ein Feldscher musste eingreifen. Die Kleidung des Königs war völlig zerschlissen, und es dauerte einige Tage, bis ein Schneider neue Kleider angefertigt hatte, so dass der König sich zeigen konnte. Erst im März 1715 konnte die arg in Mitleidenschaft gezogene Gefolgschaft zum König aufschließen.

Im Herbst 1715 begann die Belagerung der Stadt durch preussische, dänische und sächsische Truppen. Der König selbst führte die Verteidigung an, doch im November gelang der feindlichen Artillerie die endgültige Zerstörung Stralsunds. Einen Monat später war sie einem Trümmerhaufen gleich. Der junge von Düring, der Begleiter des Königs, fiel beim Angriff vor dem Knieperthof. Da die Gefahr für den König immer bedrohlicher wurde, bat ihn der Stockholmer Rat wiederholt, zurückzukehren. In der Nacht zum 11. Dezember, als der Feind eine Bresche in den Festungswall geschlagen hatte, musste Karl XII. endgültig Stralsund verlassen, um dem Feind nicht in die Hände zu fallen. Am Tag darauf fiel die letzte schwedische Bastion auf der anderen Seite der Ostsee.

Nach einer schweren Überfahrt durch Eis und Schnee und mit dreimaligem Wechsel des Schiffes ging der König in den frühen Morgenstunden des 13. Dezembers bei Trelleborg an Land. Mit kleinem Gefolge, bestehend aus zwei Kapitänen und drei Leutnanten, zog er in die kleine Stadt ein. Hier bekamen sie einen Wagen und begaben sich zu einem Gasthof. Dort setzte sich der König aufs Pferd, und nachmittags kam er in Ystad an. Erst dort erkannte man ihn. Nach 15 Jahren war er in sein Vaterland zurückgekehrt.

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